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Kaiserslautern gegen Hoffenheim: Tradition versus Retorte? Oder Staat versus Privat?

21 Mai

Deutschlands Traditionsvereine stehen in der Relegation zu 100% hinter dem 1. FCK. Gegen Retortenvereine und Milliardäre in der Bundesliga„, so lautet einer von recht vielen Aufrufen im Internet.  Auch die Kaiserslauterner Fans rufen den Kampf der Kulturen aus: hier der Traditionsverein aus Kaiserslautern, dort das gepeppelte Retortenbaby aus Hoffenheim (wie z.B. hier). Wie auch immer man das private Engagement von Dietmar Hopp bei der TSG 1899 Hoffenheim sehen mag (Neid?) und warum auch immer man das als kritikwürdiger empfinden mag als z. B. das Engagement von Gazprom bei Schalke 04, beim 1. FC Kaiserslautern hat inzwischen vor allem eines Tradition: Fortwährende Misswirtschaft und ein Bail-out durch den Steuerzahler nach dem Anderen. Moral hazard in Reinkultur, der Steuerzahler ist immer wieder der Dumme, zumindest solange Kurt Beck in Rheinland-Pfalz Ministerpräsident war (aber dessen vorbildlicher Umgang mit Steuergeldern ist ja auch durch andere Projekte wie z.B.  die Nürburgring-Saga bekannt).

Zur Erinnerung (und das sind nur Auszüge):

  • Oktober 2002: „Die Lotto Rheinland-Pfalz GmbH gewährt dem 1. FC Kaiserslautern ein Darlehen und sichert dem Klub damit kurzfristig das finanzielle Überleben.“ (siehe FAZ vom 16.10.2002)
  • Mai 2004: Die „kreative“ Vertragsgestaltung um den Transfer von Youri Djorkaeff  interessiert die Staatsanwaltschaft (siehe Spiegel vom 03.05.2004)
  • März 2008: Der überdimensionierte und viel zu teure Stadionbau von 2006 droht nicht nur den 1. FCK, sondern auch die Stadt Kaiserslautern in den Abgrund zu ziehen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt dazu: „Der 1. FC Kaiserslautern steht nicht nur sportlich am Abgrund. Seit Jahren werden Steuergelder verbrannt. Nirgendwo anders wurden Gesetze so hemmungslos gebrochen und gehören Größenwahn und Dilettantismus zum unternehmerischen Wirken.“ (Der Bericht aus der FAS mit dem Titel „Die Verschwender aus der Pfalz“ ist hier) – Am letzten Spieltag schafft der 1. FCK dann den Klassenerhalt in der 2. Liga mit einem 3:0 Heimsieg über den 1. FC Köln. Die Story zum Stadionbau ist auch im Buch von Karl-Heinz Däke, ehemaliger Präsident des Bundes der Steuerzahler, über „Die Milliarden-Verschwender“ nachzulesen.
  • April 2013: Sportlich hat sich einiges gebessert, finanziell nicht wirklich, wie die FAZ einmal wieder schreibt. Das Verbrennen von Steuergeld ist immer noch ein Thema (FAZ-Beitrag vom 8.4.2013 hier)

Auch mir sind Traditionsvereine mit vollen Stadien irgendwie lieber als „Retortenvereine“ mit (ziemlich) leeren Stadien. Wenn allerdings die Tradition inzwischen weitgehend darin besteht, immer wieder den Steuerzahler zur Kasse zu bitten, ist die Sympathie doch arg begrenzt. Dann wäre vielleicht mal eine Zeit der Besinnung angebracht und eine Austeritätspolitik.

Für einen Hochschullehrer ist das Schöne am 1. FC Kaiserslautern aber natürlich, dass er eine fabelhafte Illustration dafür bietet, wie wiederholte Bail-outs zu Moral Hazard und Verantwortungslosigkeit führen. Aber diese Beispiele wird der 1. FCK sicher in der 2. Liga weiter genauso bieten wie in der 1. Liga.

Als Mitglied des Traditionsvereins FC St. Pauli muss ich leider sagen, dass ich in keinem Fall zu 100% hinter dem 1. FC Kaiserslautern und seiner Geschäftspolitik zu Lasten des Steuerzahlers stehe.

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