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Was kommt nach dem Abitur? VWL?

6 Jan

An meiner ehemaligen Schule, dem Artland Gymnasium Quakenbrück, wird eine Art Jahrbuch herausgegeben, das den Titel „Einblicke“ trägt. In diesem Jahrbuch wird natürlich über die Ereignisse des vergangenen Jahres berichtet. Darüber hinaus wird aber auch immer eine ehemalige Schülerin bzw. ein ehemaliger Schüler gebeten, Tipps für die Zeit nach dem Abitur zu geben. Im letzten Jahrbuch durfte ich nun meine Ratschläge ausbreiten. Folgendes habe ich dazu (als VWL-Professor) geschrieben:

Eine der wesentlichen Annahmen der Volkswirtschaftslehre ist, dass es viele Wege zum Glück gibt und man es daher den Menschen, soweit es geht, selbst überlassen sollte, wie sie ihr Leben leben wollen und welche Wege zum Glück sie ausprobieren wollen. Als heutiger Professor für Volkswirtschaftslehre tue ich mich daher etwas schwer, pauschal Empfehlungen abzugeben, was man tun und lassen sollte und was nicht, um glücklich zu werden oder erfolgreich zu sein.

Diese Publikation heißt aber ja auch „Einblicke“, daher kann ich Einblicke in zwei Dinge geben: Wie bin ich Professor geworden und womit beschäftigen sich eigentlich Volkswirte?

Ich glaube (fast) niemand plant nach dem Abitur, Professor oder Wissenschaftler zu werden. Dass man das gern möchte, merkt man erst später. Die wichtigste Grundlage ist, dass man etwas studiert, das einen absolut begeistert, von dem man selbst immer mehr wissen möchte und das man selbst immer besser verstehen will. So war es mit dem VWL-Studium bei mir. Irgendwann im Studium habe ich gemerkt, dass ich noch ganz viel nicht wusste, obwohl ich kurz vor dem Diplom stand. Daher habe ich dann beschlossen zu promovieren und weiter an der Universität zu bleiben. Im Zuge der Promotion habe ich dann gemerkt, dass das noch immer nicht ausreicht und ich fast nichts lieber mache, als gesellschaftlichen Zusammenhängen auf den Grund zu gehen, zu versuchen die Funktionsweise von Märkten und Politik oder auch ganz alltäglichem Verhalten zu verstehen. Da wurde mir klar, dass es für mich nichts Schöneres geben würde als Wissenschaftler und Hochschullehrer zu werden. Man darf nachdenken, worüber man will, und kann seine Ideen permanent mit anderen schlauen Leuten auf der ganzen Welt diskutieren, das ist ein großer Luxus. Bevor man diesen Luxus auch wirklich genießen darf, muss man allerdings auf einen Lehrstuhl berufen werden. Das hatte ich mit 34 Jahren erreicht, es dauert aber oft auch länger, und in der Zeit davor gibt es eigentlich nur zeitlich befristete Verträge ohne eine echte Sicherheit. Die Karriere ist daher ziemlich riskant – wer nicht auf einen Lehrstuhl berufen wird, muss sich etwas Anderes suchen. Nur wer wirklich für eine Wissenschaft brennt, wird daher dieses Risiko eingehen. Aber deswegen werden auch nur die absoluten Enthusiasten Wissenschaftler und Professoren.

Die VWL hat mich so gepackt, weil man dort versucht, gesellschaftliche Zusammenhänge – sowohl auf Märkten als auch in der Politik – zu verstehen und, aufbauend auf diesem Verständnis, Empfehlungen zu entwickeln, wie man diese Verhältnisse ggf. verbessern kann. Eigentlich sind Volkswirte somit, zumindest insgeheim, alle irgendwie Weltverbesserer und Idealisten. Zwischen BWL und VWL besteht der wesentliche Unterschied, dass es bei der BWL primär um das Management von Unternehmen (in all seinen Facetten) geht, während es in der VWL letztlich um (wirtschafts-)politische Fragen geht. Das sind zum einen die ganz großen Fragen wie etwa was man gegen Armut in der Welt tun kann, wie man Wirtschaft und Verbraucher am besten dazu bringen kann, umweltfreundlich zu produzieren und zu konsumieren, ohne dass unnötig Arbeitsplätze verloren gehen, oder wie man Arbeitslosigkeit erfolgreich bekämpfen kann. Aber es geht auch um kleinere Frage wie z.B. warum eine Legalisierung von Drogen eigentlich besser ist als die Prohibition, warum bei Bahn und Post so wenig Wettbewerb herrscht und was man dagegen tun kann oder wie man Banken regulieren sollte. Wer diese Fragen spannend findet, für den ist VWL das Richtige.

In der Volkswirtschaftslehre geht es dann ziemlich mathematisch zu, das wundert viele zunächst. Anders als in Teilen der Philosophie oder auch der Politikwissenschaft glauben Volkswirte nicht, dass man die Welt wirklich gut verstehen kann, indem man (nur) schlaue Bücher liest (das muss man allerdings auch). Vielmehr ist die VWL sehr zahlengetrieben, sie ist im Kern eine empirische Sozialwissenschaft. Ich kann z. B. trefflich herumphilosophieren, wie ungerecht es ist, dass die Strompreise so hoch sind oder die meisten Menschen in Afrika so arm. Und ich kann mir meine Gedanken darüber machen, ob ein Mindestlohn (und welcher dann) für Bauarbeiter gerecht ist oder nicht. Als Volkswirt guckt man dann aber gern auf die Zahlen. Welche konkreten Effekte hat die Entwicklungshilfe? Was kostet die Energiewende tatsächlich? Wie hat sich die Beschäftigung im Baugewerbe nach Einführung des Mindestlohns wirklich entwickelt? Um dann herauszufinden, ob die beobachtete Entwicklung an der Einführung eines Mindestlohns liegt oder ganz andere Gründe hat (wie z. B. die allgemeine Konjunktur , die Abschaffung der Eigenheimzulage oder noch andere Gründe), benötigt man ausgeklügelte statistische Verfahren (wir nennen das Ökonometrie). Und das ist schon ziemlich mathematisch. Wer also gar nichts mit Zahlen anfangen kann, für den ist die VWL nichts. Wer keine Angst vor Mathematik hat und zugleich verstehen will, wie die Gesellschaft funktioniert, für den ist VWL eine tolle Sache.

Ich habe heute das Glück, als Wissenschaftler an der Universität forschen und lehren zu dürfen. Das ist ein bisschen so wie ein Profisportler oder ein Berufsmusiker. Man kann sein Hobby zum Beruf machen. Ich würde daher eigentlich jedem empfehlen, nach dem Abitur etwas zu machen, was einem echt total Spaß macht. Wenn es aber so etwas nicht gibt, dann würde ich empfehlen, BWL,  Jura oder Medizin zu studieren, das ist immerhin eine relativ sichere Sache, was die Jobaussichten angeht, und man verdient auch ganz ordentlich. Und glücklich werden kann man so auch, denke ich als Ökonom, aber das muss letztlich eben jeder für sich selbst wissen.

Wettbewerb in Zeiten der Energiewende, Verein für Socialpolitik, Ökonomen-Ranking, Spritpreis-Navi – Vorfreude auf eine spannende Woche :-)

1 Sep

Die kommende Woche wird (für mich) spannend, aus vielerlei Gründen:

Erstens wird die Monopolkommission am Donnerstag um 11.00 Uhr ihr aktuelles Sondergutachten zu „Strom und Gas 2013: Wettbewerb in Zeiten der Energiewende“ vorstellen. Daniel Wetzel hatte in der WELT hatte schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen (hier) und DER SPIEGEL nutzt das Gutachten auch gleich mit als Aufmacher auf dem Titel (Vorabmeldung hier). Gerade rechtzeitig dazu ist auch das von Jürgen Kühling, Carolin Klein und mir verfasste Buch über „Die Marktintegration der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien“ aus der Druckerei gekommen (hier zu sehen). In dem Buch, das auf unserem Gutachten für den Freistaat Sachsen basiert, legen wir die Grundzüge eines Quotenmodells nach schwedischem Vorbild ausführlich dar. Am Dienstag kann darf ich bereits in einer Keynote auf der EWI/FAZ Energietagung in Köln über das Modell reden und diskutieren.

Bei der Vorstellung des Sondergutachtens der Monopolkommission kann ich leider nicht dabei sein, denn zeitgleich haben wie die Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik bei uns in Düsseldorf, zum ersten Mal in der 140-jährigen Geschichte des Vereins, mein zweiter Grund zur Freude. Der Verein für Socialpolitik ist die größte  Vereinigung von Ökonomen in Deutschland, wir erwarten fast 1000 Gäste, um über Wettbewerbspolitik und Regulierung in einer globalen Wirtschaftsordnungs zu sprechen. Ich freue mich auf die hochkarätigen Keynote Speaker, aber auch über unsere eigenes DICE-Panel über „Wettbewerb über Internet Plattformen“ am Freitag abend, an dem Vertreter von Google, der Deutschen Telekom, dem Bundeskartellamt sowie Wissenschaftler aus Recht und Ökonomie teilnehmen werden (und das ich moderieren darf).

Drittens wird am Montag (also morgen) das Handelsblatt Ranking VWL 2013 publiziert, auf das viele Ökonomen stets mit Spannung warten. Als kleine Fakultät haben wir es da in Düsseldorf arg schwer uns zu platzieren, zumal da wir just vor dem Stichtag 1.7.2013 einige Abgänge zu einem (für das Ranking) ungünstigen Zeitpunkt hatten. Es wird in dieser Woche im Übrigen auch noch ein zweites Ökonomen-Ranking geben, das am Mittwoch abend auf dem Empfang des DICE kurz vorgestellt werden wird – mehr kann ich dazu jedoch noch nicht verraten.

Viertens freue ich mich, weil ich in der nächsten Woche zwei Top-Neuzugänge für die VWL in Düsseldorf bekanntgeben darf, auch dazu mehr am Mittwoch beim Empfang des DICE.

Und fünftens freue ich mich, weil die Spritpreis-App (mit Echtzeit-Preisdaten) nun tatsächlich Realität wird (Vorbericht dazu z. B. hier). Es ist einem ja nicht so oft vergönnt, dass Ideen aufgenommen und auch umgesetzt werden (obwohl unser langjähriges immer wieder wiederholtes Plädoyer in der Monopolkommission für die Liberalisierung des Buslinienfernverkehrs ja auch irgendwann gefruchtet hat und nach fast 100 Jahren jetzt sogar das Branntweinmonopol endlich abgeschafft wird).

Die nächste Woche wird also spannend, auch wenn die letzte Woche sogar noch viel spannender war, aber aus ganz privaten Gründen.

Ökonomische Spitzenforschung und Politikberatung

12 Aug

Die Beziehung zwischen ökonomischer Spitzenforschung und wirtschaftspolitischer Beratung in der Ökonomie interessiert mich schon lange, im Zuge des sog. Ökonomenstreits hatte ich mich schon 2009 bei carta ausführlich dazu geäußert, was die Ökonomik für die Gesellschaft leisten kann und, aus meiner Sicht, sollte, ebenso im ifo Schnelldienst. Meine Wahrnehmung ist die, dass (a) eine gewisse Arbeitsteilung zwischen Grundlagenforschung und der (angewandten) wirtschaftspolitischen Beratung ziemlich sinnvoll ist, zugleich aber (b) aus Sicht der deutschen Steuerzahler/innen eher zuviel in Grundlagenforschung und zuwenig in die Erforschung der konkreten Anwendungen, also die wirtschaftspolitische Beratung, investiert wird.  Eventuell mag dies ein Sonderproblem der Industrieökonomik sein, in der ich mich am besten auskenne, aber ich befürchte, dass das Problem allgemeiner ist. In der Industrieökonomik jedenfalls fehlen uns auf keinen Fall brilliante Theoretiker, sondern akademische Experten für viele Märkte. In den USA gibt es Top-Forscher, die ganz genau die Details des Luftverkehrwesens, des Radiomarktes, des Biermarktes, des Gasmarktes, des Lebensmitteleinzelhandels, des Krankenhauswesens etc. pp kennen. Bei uns gibt es das in Einzelfällen auch, aber es ist doch eher selten. Ich empfinde das als Defizit.

Weil aber die Debatte oftmals eher durch eigene Erfahrungen und Introspektion geprägt ist, hat damals Michael Mödl unter meiner Betreuung eine (exzellente) Diplomarbeit geschrieben, um die Debatte etwas besser empirisch zu unterfüttern. Einige Kernresultate haben wir schon 2010 auf der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik in Kiel vorgestellt (Präsentation hier), zwei Jahre später dann noch einmal bei der „Ersten Pluralistischen Ergänzungsveranstaltung zur VfS Jahrestagung“ 2012 in Göttingen (im Übrigen vermutlich das einzige Papier, das auf Veranstaltungen vorgestellt wurde). Anfang des Jahres haben wir das Ganze dann endlich als Arbeitspapier in unserer DICE-Reihe „Ordnungspolitische Perspektiven“ publiziert, im Laufe des Jahres soll der Beitrag in den Perspektiven der Wirtschaftspolitik erscheinen.

Der Wirtschaftsdienst hat jetzt im August ein sehr interessantes Zeitgespräch zum Thema „Entwickeln sich wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Politikberatung auseinander?“ publiziert, in dem wir noch einmal unsere Ergebnisse kurz darlegen, aber vor allem sehr interessante Perspektiven von Christoph M. Schmidt, Nils aus dem Moore, Michael Themann, Wolfram F. Richter, Marcel Fratzscher, Gert G. Wagner, Werner Güth, Hartmut Kliemt, und Willi Koll zu finden sind.

„Hier entstehen Kollateralschäden, über die man einfach hinweg stampft“

8 Aug

Gunnar Sohn hat unsere Diskussion von gestern abend im Bloggercamp über das kommunale Monopoly in der Abfallwirtschaft zusammengefasst.

Ich sag mal

Gut ein Jahr nach dem in Kraft treten des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes zieht Professor Justus Haucap, Mitglied der Monopolkommission, eine niederschmetternde Bilanz. So könne das privatwirtschaftliche Recycling untersagt werden, wenn es nicht wesentlich leistungsfähiger ist, als die Angebote der Kommunen. Hier werde das Prinzip der freiheitlichen Ordnung auf den Kopf gestellt. Nach dem Grundsatz der Berufsfreiheit sollte sich jeder wirtschaftlich betätigen können.

„Das gilt beim Recycling nicht mehr. Jetzt müssen Unternehmen nachweisen, dass sie es besser können als eine Kommune, die das mit Hilfe von Steuergeldern macht“, sagt Haucap, Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomie der Universität Düsseldorf, im Interview mit Bloggercamp.tv.

Solche Beschränkungen gebe es eigentlich nur dort, wo es um Leib und Leben geht. In der Recyclingwirtschaft liege die Motivation der Kommunen aber anders:

„Es soll mehr Geld in die Kasse kommen.“

Mit dem sehr schwammigen Begriff der höheren Leistungsfähigkeit bewege man sich in einer Grauzone.

„Das öffnet den Kommunen…

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Wenn ihr schon Ökonomie studiert, besauft euch wenigstens ordentlich

30 Jul

„Son, never trust a man who doesn’t drink because he’s probably a self-righteous sort, a man who thinks he knows right from wrong all the time. Some of them are good men, but in the name of goodness, they cause most of the suffering in the world. They’re the judges, the meddlers. And, son, never trust a man who drinks but refuses to get drunk. They’re usually afraid of something deep down inside, either that they’re a coward or a fool or mean and violent. You can’t trust a man who’s afraid of himself. But sometimes, son, you can trust a man who occasionally kneels before a toilet. The chances are that he is learning something about humility and his natural human foolishness, about how to survive himself. It’s damned hard for a man to take himself too seriously when he’s heaving his guts into a dirty toilet bowl.“  – James Cumley, The Wrong Case (1975)

Zitate wie das oben von James Cumley finden sich zuhauf in Literatur und Filmen. Schon 1997 hatte ich – dadurch inspiriert – einmal angefangen, das Ganze als kleines ökonomisches Modell aufzuschreiben, bin dann aber immer wieder abgelenkt worden (nein, nicht nur durch Kneipenbesuche). Es gibt dazu auch faszinierende Studien aus dem Bereich der Sozialanthropologie, die zu lesen richtig Spaß macht (z. B. der Sammelband über „Constructive Drinking“ von Mary Douglas). 2008 habe ich das ganze Unterfangen zusammen mit Annika Herr dann aber wieder aufgenommen. Das modelltheoretische Papier, das wir dann Anfang 2010 endlich publik gemacht haben, wollte aber zunächst keine Zeitschrift haben. Einigen (wie Kyklos) war es zu mathematisch („the authors get carried away with the math“), andere verstanden die Idee nicht so richtig („why don’t they just do sports together?“)  und wieder andere verlangten nach empirischen Belegen jenseits der (umfangreichen) sozialanthropologischen Literatur.

Mit Björn Frank haben wir das Modell daher dann empirisch untermauert, das kam zumindest in Presse (Handelsblatt hier, Hessische/Niedersächsische Allgemeine hier) und Blogs gut an, z. B. bei EgghatINSM, Bier Universum, oder Rolf Schröder und hat wohl dazu beigetragen, dass unser Papier mit dem Titel „In Vino Veritas: Theory and Evidence on Social Drinking“ nach wie vor das DICE Discussion Paper mit den meisten Downloads insgesamt ist.

Der Economic Inquiry wollte dann aber nur den mit Björn Frank entwickelten empirischen Teil (als Note), sodass wir das theoretische Modell dann doch ohne den empirischen Teil zum European Journal of Law and Economics gesendet haben, wo es nun erscheinen wird (Preprint hier). Eine nicht ganz leichte Geburt, aber manchmal dauert es eben etwas länger. Die Einsicht selbst finde ich nach wie vor interessant und auch relevant.

Meine Vorlesung über die Neue Instututionenökonomik beende ich daher auch immer mit diesem Beitrag, weil es in der letzten Vorlesung bei mir auch gerade um Sozialkapital und den ökonomischen Wert von Freundschaften, Beziehungen und sozialen Kontakten sowie den Wert von Vertrauen geht. Mit Andrea Müller untersuche ich zudem gerade, wie das Ökonomiestudium selbst die Neigung zu vertrauen bei angehenden Volkswirten und Volkswirtinnen beeinflusst (negativ, wie es aussieht – das Papier haben wir hoffentlich auch demnächst fertig). Die letzte Botschaft an die Ökonomie-Studierenden in der Vorlesung ist daher: Wenn ihr schon Ökonomie studiert, besauft euch wenigstens ordentlich 😉

EEG oder Klimaschutz – Neue Debatte im „Forum der Ökonomen“

2 Jun

Im Plenum der Ökonomen wurde am vergangenen Mittwoch (29.5.2013) eine neue Debatte zum Thema Energiepolitik initiiert. Dazu habe ich dann am Freitag folgende Email erhalten:

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„Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Präsidium des Plenums der Ökonomen hat eine neue Debatte zur  Energiepolitik in Deutschland und Europa gestartet, mit dem Titel „Ist ein Nebeneinander des Europäischen Emissionshandels und der Förderung erneuerbarer Energien sinnvoll?“ Den Starttext zu dieser Debatte mit einer Reihe einführender pro- und contra-Argumente finden Sie ab sofort auf der Homepage des Plenums der Ökonomen unter:  http://www.wiso.uni-hamburg.de/lucke/ .  Die Debatte beginnt sofort und endet am 30. Juni 2013. Im Anschluss werden wir eine Abstimmung unter den Plenumsmitgliedern zu diesem Thema durchführen.  (…)

Das Präsidium des Plenums der Ökonomen – Andreas Haufler, Monika Merz, Wolfram Richter und Bernd Lucke“

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Ich habe mich auch sofort mit einem Beitrag beteiligt, der dort nachzulesen ist. den ich aber hier auch noch einmal wiedergebe, da im Plenum der Ökonomen nur die dort angemeldeten Mitglieder diskutieren können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zunächst einmal Danke für das Anstoßen und die Organisation dieser Debatte. Das EEG birgt in der Tat viele Probleme.

Das Nebeneinander von Europäischem Emissionshandel und der im EEG angelegten Form der Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien (EE) erscheint in der Tat redundant. Dies muss aber nicht heißen, dass jede Form der Förderung erneuerbarer Energien neben dem Europäischem Emissionshandel überflüssig ist (wie die Überschrift ggf. suggerieren mag). Beihilfen gezielt für Forschung und Entwicklung (FuE) können sinnvoll sein, da ja bei Innovationen oft positive vertikale und horizontale Externalitäten existieren. Für die Gewährung von FuE-Beihilfen haben wir deswegen ja extra (recht großzügige) Leitlinien der Europäischen Kommission. Das EEG jedoch setzt hier bestenfalls ziemlich stumpfe Anreize für Innovationen.

Mein Eindruck ist allerdings (leider), dass die Bundesregierung und der Gesetzgeber den Ausbau der Stromerzeugung heute “einfach so” wollen, d.h. es ist gar kein Unterziel mehr, das dem Klimaschutz dienen soll, sondern ein Ziel an sich (warum auch immer). In §1 Abs. 1 des Energiewirtschaftsgesetzes heißt es: “Zweck des Gesetzes ist eine möglichst sichere, preisgünstige, verbraucherfreundliche, effiziente und umweltverträgliche leitungsgebundene Versorgung der Allgemeinheit mit Elektrizität und Gas, die zunehmend auf erneuerbaren Energien beruht.” Der letzte Halbsatz ist erst 2011 eingefügt worden. Im EEG ist der Ausbau immerhin noch als Unterziel formuliert (siehe hier §1 EEG).

Das EEG löst zugleich gigantische Umverteilungen aus (insbesondere nach Bayern, 2012 Netto-Zufluss 1,2 Mrd. Euro, siehe hier), daher wird sich die CSU gegen jedwede Reform zulasten bayrischer Solarwirte wohl ziemlich sperren. Aufgrund der besonderen Rolle der CSU im deutschen Föderalismus sehe ich für eine Reform ohne Hilfe aus Brüssel schwarz.

Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser ungünstigen Voraussetzungen ist die Debatte hier umso wichtiger.

Zu den oben nicht explizit genannten Schwächen des EEG gehören auch:

1) Die masive Überförderung der Photovoltaik hat dazu geführt, dass die Förderung pro kWh EE-Strom drastisch gestiegen ist. Haben wir im Jahr 2000 noch 8,5 ct/kWh und selbst 2005 noch 10,0 ct/kWh grünen Strom auf den Börsenpreis oben draufgelegt, waren es 2011 dann 17,9 ct/kwh. Die Subventionen waren also 2011 pro kWh grünem Strom mehr als doppelt so hoch wie noch 10 Jahre zuvor. Dies liegt daran, dass die Solarenergie (als teuerste Form des EE-Stroms) auch noch mit den höchsten Gewinnmargen gesegnet wurde, sodass sich der Anteil der sehr teuren Solarenergie im EE-Strommix drastisch erhöht hat. (Die Berechnungen ergeben sich als EE-Fördersumme geteilt durch EE-Strommenge). Die Vorstellung, dass Politiker in Zukunft besser als bisher prognostizieren könnten, wie sich die Kosten für Solarpanels entwickeln werden, ist wohl bestenfalls als naiv zu bezeichnen.

2) In Deutschland stehen heute über 35% der weltweit installierten Solarstromkapazitäten (siehe Abb. 12 auf S. 48 hier). Dieselben Anlagen könnten im Süden Spaniens die doppelte Strommenge wie in Deutschland erzeugen. Eine gigantische allokative Ineffizienz und ein absoluter Misserfolg des EEG. (Ich benutze das Beispiel immer, um den Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation zu erklären – nicht überall, wo man Solarpanels aufstellt, scheint dann auch die Sonne – schade eigentlich bei diesem Frühling ;-) )

3) Das EEG-Modell ist im Gegensatz zum Europäischen Emissionshandel (oder auch einem Quotenmodell) nicht binnenmarktkompatibel , da immer nur national gefördert wird. Die erheblichen Vorteile des Binnenmarktes werden beim EEG völlig verschenkt.

Ich will den Diskussionsbeitrag hier gern kurz halten. Weitere Ausführungen meinerseits zum Thema sind kurz hier und etwas länger hier.

Meine Quintessenz: Eigentlich brauchen wir neben dem Emissionshandel keine separate Förderung erneuerbarer Energien (abgesehen von FuE-Beihilfen und Patentschutz). Wenn der Ausbau der Erneuerbaren aber trotzdem, warum auch immer, ein separates Ziel ist, das auch völlig unabhängig vom Klimaschutz verfolgt werden soll, dann wäre zumindest für die Zukunft eine effiziente Förderung (wie z. B. mit einem Quotenmodell) wesentlich besser als das bisherige EEG.

Globalisierung an der Uni

8 Mai

In dieser Woche hatten wir Berufungsvorträge für eine Juniorprofessur für VWL mit einem mikroökonomischen Schwerpunkt. Von den 38 eingegangenen Bewerbungen (davon 13 Bewerberinnen) haben wir letzten Endes drei Kandidatinnen und zwei Kandidaten zu Berufungsvorträgen eingeladen. Das Spektrum zeigt aus meiner Sicht ziemlich gut, wie international die VWL mittlerweile auch in Deutschland geworden ist. Die fünf Kandidaten und Kandidatinnen können rein äußerlich wie folgt charakterisiert werden (die Vorträge sind zwar hochschulöffentlich und somit nicht geheim, aber ich nenne jetzt mal keine konkreten Namen hier im Blog).

  • eine deutsche Bewerberin, die momentan an einer belgischen Uni forscht,
  • ein griechischer Bewerber, der momentan in Griechenland forscht,
  • eine litauische Bewerberin, die aktuell in Holland forscht,
  • eine polnische Bewerberin, die aktuell in Deutschland forscht, und
  • ein griechischer Bewerber, der aktuell in Deutschland forscht.

Ob es Zufall war oder ein Resultat der schlechten Situation in Griechenland, dass wir von dort zwei so gute Bewerbungen haben, vermag ich anhand einer einzigen Stichprobe kaum zu sagen, finde es aber spannend. Auf jeden Fall besteht unsere Auswahl somit ja aus einer Deutschen, die aber aktuell im Ausland ist, und vier Ausländern, von denen zwei in Deutschland und zwei im Ausland forschen. Für die Wissenschaft ist die Globalisierung so betrachtet ein absoluter Segen. Und unter dem Aspekt des „Diversity Managements“ wäre wohl jeder Personalchef stolz auf unsere Auswahl. Wir sind es auch – aber nicht so sehr wegen der „Diversity“, sondern wegen der hohen Qualität der Bewerberinnen und Bewerber. Die Globalisierung erhöht auch in Academia den Wettbewerbsdruck, und der wirkt auch hier qualitätsfördernd, sogar an staatlichen Universitäten!