Archiv | SPD RSS feed for this section

Was ich an der SPD nicht verstehe

9 Aug

Eigentlich hatte ich gedacht, es wäre ein sehr guter Schachzug der SPD gewesen, Peer Steinbrück zu nominieren. Er hat sich in der Finanzkrise als Finanzminister durchaus ein gewisses Ansehen bei vielen Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet, gilt als solide (so meine Wahrnehmung) und ist eher ein Mann der Mitte als der Linken. Damit hätte die SPD dann in der Mitte um Stimmen werben können und ggf. Wähler und Wählerinnen gewonnen, die beim letztem Mal CDU und FDP gewählt haben, nun aber enttäuscht sind.

Das scheint aber nicht zu passieren, im Gegenteil: Um der SPD selbst zu zeigen, dass er auch wirklich – trotz aller Bedenken aus der eigenen Partei – „ihr“ Mann ist, muss Peer Steinbrück nun, seitdem er Spitzenkandidat ist, insbesondere die eher linken Themen vertreten, für die er doch eigentlich gar nicht steht. Mietpreisbremse, Mindestlöhne, Rücknahme der Hartz-Reformen, gebührenfreies Studium, Steuererhöhungen…. Ich habe den Eindruck, dass die Leute ihm das einfach nicht abkaufen, weil es eben eigentlich gar nicht seine Themen sind und as auch jeder weiß.

Mir ist auch klar, dass Entscheidungen in Parteien wie auch in anderen Organisationen meistens kollektiv gefällt werden und dies eine eigene Dynamik entfalten kann. Trotzdem verstehe ich an der SPD irgendwie nicht, warum man einen Mann der Mitte aufstellt, der der Marktwirtschaft eigentlich eher positiv gegenübersteht, um ihn dann eher linke Themen – etwas holzschnittartig: „Mehr Staat in allen Lebensbereichen“ – vertreten zu lassen, die ihm aber letztlich doch niemand so richtig abzunehmen scheint.

Nachtrag (13.08.2013): Aha, Franz Müntefering versteht das auch nicht, wie ich der Rheinischen Post gerade entnehme: „Müntefering warnt die SPD-Spitze davor, den Kanzlerkandidaten ‚umschminken‘ zu wollen.“