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Wenn ihr schon Ökonomie studiert, besauft euch wenigstens ordentlich

30 Jul

„Son, never trust a man who doesn’t drink because he’s probably a self-righteous sort, a man who thinks he knows right from wrong all the time. Some of them are good men, but in the name of goodness, they cause most of the suffering in the world. They’re the judges, the meddlers. And, son, never trust a man who drinks but refuses to get drunk. They’re usually afraid of something deep down inside, either that they’re a coward or a fool or mean and violent. You can’t trust a man who’s afraid of himself. But sometimes, son, you can trust a man who occasionally kneels before a toilet. The chances are that he is learning something about humility and his natural human foolishness, about how to survive himself. It’s damned hard for a man to take himself too seriously when he’s heaving his guts into a dirty toilet bowl.“  – James Cumley, The Wrong Case (1975)

Zitate wie das oben von James Cumley finden sich zuhauf in Literatur und Filmen. Schon 1997 hatte ich – dadurch inspiriert – einmal angefangen, das Ganze als kleines ökonomisches Modell aufzuschreiben, bin dann aber immer wieder abgelenkt worden (nein, nicht nur durch Kneipenbesuche). Es gibt dazu auch faszinierende Studien aus dem Bereich der Sozialanthropologie, die zu lesen richtig Spaß macht (z. B. der Sammelband über „Constructive Drinking“ von Mary Douglas). 2008 habe ich das ganze Unterfangen zusammen mit Annika Herr dann aber wieder aufgenommen. Das modelltheoretische Papier, das wir dann Anfang 2010 endlich publik gemacht haben, wollte aber zunächst keine Zeitschrift haben. Einigen (wie Kyklos) war es zu mathematisch („the authors get carried away with the math“), andere verstanden die Idee nicht so richtig („why don’t they just do sports together?“)  und wieder andere verlangten nach empirischen Belegen jenseits der (umfangreichen) sozialanthropologischen Literatur.

Mit Björn Frank haben wir das Modell daher dann empirisch untermauert, das kam zumindest in Presse (Handelsblatt hier, Hessische/Niedersächsische Allgemeine hier) und Blogs gut an, z. B. bei EgghatINSM, Bier Universum, oder Rolf Schröder und hat wohl dazu beigetragen, dass unser Papier mit dem Titel „In Vino Veritas: Theory and Evidence on Social Drinking“ nach wie vor das DICE Discussion Paper mit den meisten Downloads insgesamt ist.

Der Economic Inquiry wollte dann aber nur den mit Björn Frank entwickelten empirischen Teil (als Note), sodass wir das theoretische Modell dann doch ohne den empirischen Teil zum European Journal of Law and Economics gesendet haben, wo es nun erscheinen wird (Preprint hier). Eine nicht ganz leichte Geburt, aber manchmal dauert es eben etwas länger. Die Einsicht selbst finde ich nach wie vor interessant und auch relevant.

Meine Vorlesung über die Neue Instututionenökonomik beende ich daher auch immer mit diesem Beitrag, weil es in der letzten Vorlesung bei mir auch gerade um Sozialkapital und den ökonomischen Wert von Freundschaften, Beziehungen und sozialen Kontakten sowie den Wert von Vertrauen geht. Mit Andrea Müller untersuche ich zudem gerade, wie das Ökonomiestudium selbst die Neigung zu vertrauen bei angehenden Volkswirten und Volkswirtinnen beeinflusst (negativ, wie es aussieht – das Papier haben wir hoffentlich auch demnächst fertig). Die letzte Botschaft an die Ökonomie-Studierenden in der Vorlesung ist daher: Wenn ihr schon Ökonomie studiert, besauft euch wenigstens ordentlich 😉