Ökonomische Spitzenforschung und Politikberatung

12 Aug

Die Beziehung zwischen ökonomischer Spitzenforschung und wirtschaftspolitischer Beratung in der Ökonomie interessiert mich schon lange, im Zuge des sog. Ökonomenstreits hatte ich mich schon 2009 bei carta ausführlich dazu geäußert, was die Ökonomik für die Gesellschaft leisten kann und, aus meiner Sicht, sollte, ebenso im ifo Schnelldienst. Meine Wahrnehmung ist die, dass (a) eine gewisse Arbeitsteilung zwischen Grundlagenforschung und der (angewandten) wirtschaftspolitischen Beratung ziemlich sinnvoll ist, zugleich aber (b) aus Sicht der deutschen Steuerzahler/innen eher zuviel in Grundlagenforschung und zuwenig in die Erforschung der konkreten Anwendungen, also die wirtschaftspolitische Beratung, investiert wird.  Eventuell mag dies ein Sonderproblem der Industrieökonomik sein, in der ich mich am besten auskenne, aber ich befürchte, dass das Problem allgemeiner ist. In der Industrieökonomik jedenfalls fehlen uns auf keinen Fall brilliante Theoretiker, sondern akademische Experten für viele Märkte. In den USA gibt es Top-Forscher, die ganz genau die Details des Luftverkehrwesens, des Radiomarktes, des Biermarktes, des Gasmarktes, des Lebensmitteleinzelhandels, des Krankenhauswesens etc. pp kennen. Bei uns gibt es das in Einzelfällen auch, aber es ist doch eher selten. Ich empfinde das als Defizit.

Weil aber die Debatte oftmals eher durch eigene Erfahrungen und Introspektion geprägt ist, hat damals Michael Mödl unter meiner Betreuung eine (exzellente) Diplomarbeit geschrieben, um die Debatte etwas besser empirisch zu unterfüttern. Einige Kernresultate haben wir schon 2010 auf der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik in Kiel vorgestellt (Präsentation hier), zwei Jahre später dann noch einmal bei der „Ersten Pluralistischen Ergänzungsveranstaltung zur VfS Jahrestagung“ 2012 in Göttingen (im Übrigen vermutlich das einzige Papier, das auf Veranstaltungen vorgestellt wurde). Anfang des Jahres haben wir das Ganze dann endlich als Arbeitspapier in unserer DICE-Reihe „Ordnungspolitische Perspektiven“ publiziert, im Laufe des Jahres soll der Beitrag in den Perspektiven der Wirtschaftspolitik erscheinen.

Der Wirtschaftsdienst hat jetzt im August ein sehr interessantes Zeitgespräch zum Thema „Entwickeln sich wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Politikberatung auseinander?“ publiziert, in dem wir noch einmal unsere Ergebnisse kurz darlegen, aber vor allem sehr interessante Perspektiven von Christoph M. Schmidt, Nils aus dem Moore, Michael Themann, Wolfram F. Richter, Marcel Fratzscher, Gert G. Wagner, Werner Güth, Hartmut Kliemt, und Willi Koll zu finden sind.

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Eine Antwort to “Ökonomische Spitzenforschung und Politikberatung”

  1. fyeyes August 12, 2013 um 9:01 am #

    Dem kann ich nur beipflichten!

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