Wie wir das Klima mit Stromfressern wie Nachtspeicheröfen retten! Echt.

29 Mai

Der Bundestag hat am 17. Mai 2013 beschlossen, das 2009 beschlossene Verbot von Nachtspeicheröfen zurückzunehmen, weil Nachtspeicheröfen in Zeiten der Energiewende auch als flexible Stromspeicher genutzt werden könnten. Die Abgeordneten der Koalition haben für eine entsprechende Änderung im Energieeinspargesetz (EnEG) gestimmt, die SPD enthielt sich, die Grünen und die Linken haben dagegen votiert (Bericht im Spiegel dazu hier und bei Yahoo! hier). Noch vor vier Jahren hatte die damalige große Koalition aufgrund der hohen CO2-Emissionen eine Novelle des EnEG beschlossen, nach der Nachtspeicherheizungen bis zum 31.12.2019 verboten wurden  – allerdings mit ein paar Ausnahmen für die Hausbesitzer, die in der Vergangenheit einmal verpflichtet wurden, Nachtspeicheröfen einzubauen.

In der Presse wurde dies als Klientelpolitik zugunsten von Immobilienbesitzern und/oder Energiekonzernen (z. B. hier  oder hier) kritisiert. Der Spiegel sprach vom „Nachtspeicher-Irrsinn“ und von einem „Sargnagel für die Klimapolitik“ (und zwar: hier), weil Nachtspeicheröfen Stromfresser sind (was ohne Zweifel richtig ist). Aber es gab auch positive Kommentare (z. B. vom Kollegen André Thess in der Thüringer Allgemeinen), da wir ja Stromspeicher für die Energiewende gut gebrauchen können.

Was viele in der Debatte völlig zu übersehen scheinen, ist folgendes: Das Abschalten der Nachtspeicheröfen und das Austauschen gegen Gasheizungen oder moderne Pellet-Heizungen schädigt das Klima. Warum? Das hört sich doch total paradox an. Und das ist es in gewisser Weise auch, aber es ergibt sich direkt aus der aktuellen Ausgestaltung der Klimapolitik in Europa. Wieso?

Ganz kurz: Die gesamte Stromerzeugung in Europa unterliegt dem Europäischen Emissionshandel (EU ETS (EU Emissions Trading System) oder hier mal etwas vereinfacht als CO2-Handel bezeichnet)  und der damit verbundenen CO2-Obergrenze. Das gesamte Ausmaß an CO2-Emissionen in der EU ist durch den Europäischen Emissionshandel in den davon erfassten Sektoren gedeckelt (genaue Erklärung z. B. hier bei Wikipedia). Die Stromerzeugung gehört zu den erfassten Sektoren, der Wärmebereich – abgesehen vom Heizen mit Strom – dagegen nicht. Heizen per Nachtspeicheröfen ist also, weil es ja durch Strom geschieht, VOLL vom CO2-Handel erfasst. Durch diese Heizungen wird also kein Gramm zusätzliches CO2 in Europa ausgestoßen. Das Heizen mit Gas und Pellets hingegen ist nicht vom CO2-Handel erfasst (dies ist im Übrigen das wirkliche Problem, dass der Wärmemarkt beim CO2-Handel außen vor ist). Wird also ein Nachtspeicherofen durch eine Gas- oder Pellet-Heizung ersetzt, werden CO2-Zertifikate frei, die an anderer Stelle genutzt werden können, um dann dort CO2 auszustoßen, während zugleich durch das Heizen mit Gas oder Pellets mehr CO2 in die Luft gepulvert wird.

So paradox es sein mag: Laufen die Nachtspeicheröfen nun einfach weiter, wird also kein Gramm zusätzliches CO2 in die Luft gepulvert, weil die von der EU festgelegte Obergrenze für den CO2-Ausstoß eben unverändert bleibt. Im Gegenteil: Es wird sogar weniger CO2 in die Luft gepulvert als beim Heizen mit Gas oder Pellets, weil diese beiden Heizformen eben nicht unter die CO2-Obergrenze fallen und nicht vom CO2-Handel erfasst werden. Das Heizen mit Nachtspeicheröfen führt also bei der heutigen Ausgestaltung des EU ETS aufgrund seiner immanenten Logik  in der Gesamtbetrachtung zu einem geringeren CO2-Ausstoß als das Heizen mit Gas oder Pellets. (Dies kann man im Übrigen auch schön nachlesen im Buch meines Kollegen Joachim Weimann über die „Klimapolitik-Katastrophe“).

Es greift  immer weider dieselbe Logik:  Beim Glühbirnenverbot (irrelevant für den CO2-Ausstoß wegen EU ETS), EEG (irrelevant für den EU-weiten CO2-Ausstoß wegen EU ETS) oder Atomausstieg (irrelevant für den EU-weiten CO2-Ausstoß wegen EU ETS). Im Falle des Atomausstiegs hat sich im Übrigen auch der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, diese Argumentation (zurecht) einmal zu eigen gemacht (siehe z. B. hier im Handelsblatt). Jedoch gilt die Logik des Emissionshandels nicht nur für den Atomausstieg, sondern natürlich auch bei Glühbirnenverbot, Nachtspeicheröfen und EEG. Der CO2-Ausstoß wird durch die im EU ETS festgelegte Obergrenze an CO2 begrenzt.  Weil aber die Stromerzeugung vom EU ETS erfasst ist, das Heizen mit Gas und Pellets aber nicht, führt das Abschalten von Nachtspeichern und ein Umstellen auf Gas und Pellets – so paradox das ist – zu mehr CO2-Emissionen.

Reformbedarf besteht daher beim Europäischen Emissionshandel. Der Wärmemarkt sollte hier komplett mit einbezogen werden, also auch das Heizen mit Öl, Gas und Pellets (ebenso wie übrigens der gesamte Verkehrsbereich). Dies lässt sich bei den Endverbrauchern zwar schwer bewerkstelligen, könnte aber zumindest bei Öl und Gas auf der Großhandelsstufe ansetzen. Dann würde man auch keine Verbote benötigen – der unterschiedliche CO2-Ausstoß würde sich in unterschiedlichen Kosten für die verschiedenen Heizformen widerspiegeln. Das mangelnde politische Interesse an einer Reform des Europäischen Emissionshandels zeigt jedoch – leider, leider – wie gering das politische Interesse an echtem Klimaschutz ist.

Was die drastische Kritik im Spiegel an der Aufhebung des Verbots an  Nachtspeicherheizungen angeht – da sollte Spiegel-Redakteur Alexander Neubacher („Ökofimmel“) vielleicht seinem Kollegen Stefan Schultz mal ein Exemplar seines Buches spendieren. 😉

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2 Antworten to “Wie wir das Klima mit Stromfressern wie Nachtspeicheröfen retten! Echt.”

  1. energyblawg Mai 29, 2013 um 4:47 pm #

    Hat dies auf energyblawg rebloggt.

  2. Marina Hinck Juni 13, 2014 um 10:56 am #

    Prinzipiell ist die Idee Strom über die Heizungen zu „speichern“ ja nun nicht schlecht, ist aber zum einen nur bei Strom aus Erneuerbaren sinnvoll und zum anderen, ist unser Strom-Netz noch nicht „intelligent“ genug, um das in der Breite zu steuern. Der Autor stellt hier Kritik an der Energiepolitik, weniger an der Technik. Denn man von jeglicher Öko-Ethik abgesehen, ist der Betrieb von Nachtspeicheröfen nach wie vor teuer! Dass eine Gasheizung sicherlich nicht Co2 – neutral ist, steht außer Frage. Bei einer Pelletheizung kommt man dem aber schon recht nahe.
    Dass der Anteil Atomenergie reduziert werden muss, steht wohl auch außer Frage; Ökostrom deckt inzwischen knapp 30% ab, wird aber in absehbarer Zeit nicht mehr immens zulegen können, wenn keine umfassenden Änderungen/Erweiterungen am Netz vorgenommen werden. Man sollte also hoffen, dass die Elektroheizungen verschwinden und die Kontingente im Emissionshandel in Folge, entsprechend der Argumentation des Autors, reduziert werden.

    Mehr Infos unter meinem Link.

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